• Tim Moskon

Bildungsveranstaltung - Der Erzschacht

Im Rahmen der Themenwoche "Industriekultur in Marl" boten wir heute in Zusammenarbeit mit den Erzschachtfreunden eine Bildungsveranstaltung an.

Fast 30 Kolleginnen und Kollegen lauschten den Ausführungen von Alfred Dodo. Alfred berichtete über den Anfang des Erzabbaus im Ruhrgebiet, den Bau des Erzschachts in Marl, die Hochzeiten des Abbaubetriebs sowie dem Verschluss der Anlage.

Bereits in den 1960er Jahren wurde der "Erzschacht" im Marler Stadtteil Drewer aufgegeben. Kohle war auch im Ruhrgebiet nicht alles. Die Zeche Auguste Victoria förderte seit den 30er-Jahren zusätzlich rund fünf Millionen Tonnen blei-, zink- und silberhaltiger Roherze zutage.


Den Stadtteil prägend ragt das Fördergerüst inmitten des ruhigen Wohnviertels in den Himmel. Auch fast so unübersehbar sind die großen Lettern auf der dazugehörigen Maschinenhalle: "Erzschacht AV 4/5".

AV – das ist die gebräuchliche Abkürzung für Auguste Victoria, den Namen des Verbundbergwerks, das im Raum Marl / Haltern insgesamt neun Schachtanlagen betrieb. Zwei davon befanden sich hier in Drewer, der Erzschacht selbst und ein Wetterschacht zur Frischluftversorgung, gezählt als Nummer vier und fünf. Der Abbau begann hier in der zweiten Hälfte der 30er-Jahre, als das Dritte Reich das Ziel verfolgte, die deutsche Wirtschaft von Importen möglichst unabhängig zu machen. Nach dem Krieg wurde die Förderung weitergeführt. Das lohnte sich, solange die Zinkpreise auf der Welt ein hohes Niveau hatten. Dies war z.B. infolge des 1950 ausgebrochenen Koreakriegs eine Weile so. Bereits in den darauf folgenden 60er-Jahre wurde der Erzabbau aber wegen zunehmender Unwirtschaftlichkeit gestoppt.

Das Fördergerüst über Schacht 4 blieb aber erhalten und schmückt bis heute die Skyline. Seit 1995 steht das Fördergerüst unter Denkmalschutz . Paradoxerweise gab es lange um die dazugehörige Maschinenhalle Gerangel. Diese sollte eigentlich abgerissen werden.

Zum Glück gibt es das Ehrenamt. Die bis heute engagierten "Erzschachtfreunde" – inzwischen eine Gruppierung innerhalb des Marler Heimatvereins – kämpften nicht nur für den Erhalt des historischen Gebäudes, sie richteten auch ein kleines Bergwerkmuseum ein und kümmern sich bis heute um die Instandhaltung.

Kleidungsstücke, Schichtbücher, Fotos, Gesteinsproben, Grubenlampen, Geräten und Generatoren sind stille Zeitzeugen und geben ein anschauliches Bild von der bergmännischen Arbeitswelt.

Über dem kleinen Museum kann man heute noch die imposante Fördermaschine im Obergeschoss bewundern. Diese ist über ein 250 Meter langes und fast 2 Tonnen schweres Stahlseil mit dem Fördergerüst verbunden. Zu Füßen dieses Gerüsts lassen sich im Außenbereich des Museums kleine Grubenloks und schwere Hydraulikschilde bestaunen. Auch ein Abteufkübel ist zu sehen, mit dem sich das bei der "Niederbringung" (dem Aushöhlen) eines Schachtes losgesprengte Material an die Erdoberfläche transportieren ließ.


Neben den historischen Fakten ging Alfred auch auf die heutigen Herausforderungen ein. Die ehemalige Schachtanlage wird seit Jahren von ehrenamtlichen Helfern in Stand gehalten. Nebenher werden Führungen angeboten, das Museum erweitert, PR Arbeit geleistet und und und


Zu diesen Helfen gehören von Beginn an die Erzschachtfreunde und der Heimatverein Marl e.V, seit 2 Jahren auch die IG BCE Ortsgruppe Drewer 2. Hier wird dringend Nachwuchs und jede helfende Hand gebraucht um das Gelände weiterhin so zu pflegen und für die nachfolgenden Generationen zu erhalten.


Als krönendes Highlight des Tages wurde zum ersten mal die neue, eindrucksvolle, bunte Beleuchtung der Maschinenhalle vorgeführt.


Bei Interesse am Erzschacht, an Führungen oder der Unterstützung könnt ihr euch direkt an die Erzschachtfreunde oder an uns, an eure IGBCE Ortsgruppe Drewer 2, wenden.


Jeden ersten Samstag im Monat treffen wir uns hier um mit an zu packen.


Wir freuen uns auf die kommende Veranstaltung am Sonntag. Am Tag des offenen Denkmals laden wir zu Begehungen am Erzschacht und zu einer Fahrradtour rund um den Chemiepark Marl ein.



Kommt vorbei!


Glück auf und bleibt gesund,

eure IGBCE Ortsgruppe Drewer 2






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